LESELIEBE #1: BETTLER UND HASE

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Urkomisch, verrückt und gespickt mit kleinen liebenswerten Geschichten und Anekdoten, das ist der Roman Bettler und Hase des finnischen Autors Tuomas Kyrö, der inzwischen auch in Deutschland mehr und mehr Leserherzen im Sturm erobert. Die Rahmenhandlung ist flink erzählt. Der rumänische Romanheld Vatanescu verlässt seine Heimat in der Hoffnung auf das große Geld. Doch während andere von Häusern und Autos träumen, reicht es ihm, einmal so vermögend zu sein, dass er seinem Sohn Miklos ein paar Fußballschuhe kaufen kann.

Natürlich hätte unser Held auch andere Optionen gehabt, er hätte Autos oder das Kupfer aus Telefonkabeln stehlen oder eine Niere verkaufen können. Aber von allen schlechten Angeboten war das von Jegor Kugar das beste.

Bereits im ersten Satz klingt der schwarze Humor durch, mit dem der Roman besticht. Es schwingen die Missstände der europäischen Wohlstandsgesellschaft mit und hinter der Ironie versteckt sich die Sehnsucht der modernen Gesellschaft nach Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Und so begibt sich Vatanescu auf der Suche nach dem großen Geld in die Obhut des Menschenhändlers Jegor, bei dem er nach seiner Ankunft in Finnland seine Schulden für die Reise als Bettler in einer organisierten Bande abzahlen muss. Armut, Menschenhandel und organisierte Kriminalität, das sind in der Tat nicht die perfekten Rahmenbedingungen für ein liebevolles modernes Märchen über einen forrest-gumpigen Antihelden, der in all seinem Unglück doch immer wieder so viel Glück erfährt, wie er gerade benötigt. Nachdem er Menschenhändler Jegor entkommen konnte, begibt sich Vatanescu auf einen Road-Trip quer durch Finnland und rettet durch Zufall ein Kaninchen, das er Hase tauft.  Denn während der rumänische Hoffnungssuchende sich schwertut, richtige Entscheidungen zu fällen, da er stets an das Gute im Menschen glaubt, hat das Kaninchen den richtigen Instinkt, wann es an der Zeit ist, Reißaus zu nehmen. Und so tut Vatanescu stets gut daran, sich vom Hasen leiten zu lassen. Auf ihrer gemeinsamen Suche nach dem Glück trifft das komische Duo auf Gestalten der kuriosesten Facetten, die es jedoch stets gut mit ihnen meinen und ihnen bei ihrem Aufstieg im westeuropäischen Kapitalismus helfen. Und so wird aus dem einstigen Bettler mit seinem Hasen an der Seite ein Bauarbeiter, ein Beerensammler, eine Facebook-Berühmtheit und unfreiwilliger Umweltaktivist. Wo die Reise des rumänisch-finnischen Forrest Gumps endet und welche Rolle der finnische Ministerpräsident spielt, wird nicht verraten, doch die Lektüre unterhält und lehrt. Denn am Ende siegt märchenhaft das Gute über das Böse und der naiv wirkende Antiheld triumphiert.

In Finnland zählt Tuomas Kyrö bereits seit längerer Zeit zu den renommiertesten jungen Autoren und seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit Bettler und Hase dominierte er wochenland die finnischen Bestsellerlisten und so können auch wir deutsche Leser, für die Bettler und Hase die erste Begegnung mit Tuomas Kyrö darstellt, auf eine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Zukunft mit den Büchern des Märchenfinnen hoffen.

Tuomas Kyrö 
Bettler und Hase 
Verlag Hoffmann und Campe, 2013, 318 Seiten 
ISBN 978-3-455-40374-9

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